paleovegetarisch

Ich möchte keine Mammuts essen!

Die Grundlagen über Paleo

3 Kommentare

Bevor ich hier anfange, euch mit Fotos von meinen Mahlzeiten zu bombardieren, finde ich es sinnvoll, wenn wir grundsätzlich mal über Paleo sprechen. Was unterscheidet Paleo von unserer üblichen westlichen Ernährungsweise?

Paleo bedeutet:

– hauptsächlich Gemüse

– genügend gute Fette

– Eiweißzufuhr aus Fleisch, Fisch und Eiern

– Verzicht auf Zucker und Getreide

– überwiegend Verzicht auf Milchprodukte

– Obst, Nüsse und Kerne in Maßen

– ausreichend Bewegung

Ich werde hier nicht sehr in die Tiefe gehen, es gibt wunderbare Blogger und Buchautoren auch im deutschsprachigen Raum, die sich die Mühe schon einwandfrei gemacht haben. An geeigneten Stellen werde ich zu tiefergehenden Artikeln in besagten Blogs verlinken.

Paleo vegetarisch

Danke an Sandra von ganzichselbst für die Grafik!

Der Grundgedanke ist der, dass der Mensch evolutionstechnisch der Entwicklung der Landwirtschaft hinterherhinkt. Das ging uns einfach alles zu schnell mit der Sesshaftigkeit, Ackerbau und Viehzucht. Seit etwa 150.000 Jahren gibt es den Homo Sapiens, der zuerst in Afrika auftrat. Vor ca. 12.000 Jahren erst begann die Jungsteinzeit und damit die ersten Ansätze von Ackerbau und Viehzucht. Ein Verdauungstrakt und Stoffwechsel, der sich über 138.000 Jahre an karge Bedingungen, nicht immer verfügbare Nahrung und extrem gute Verwertung von Nährstoffen eingeschossen hat, braucht wesentlich mehr Zeit als das, um mit Schokocerealien, Tiefkühlpizza und Bubble Tea klarzukommen (wobei man sich streiten könnte, ob letzteres wünschenswert ist).

Und wovon lebte der Mensch denn nun vor der Jungsteinzeit? Wir waren alle nicht dabei und können nur logisch schlussfolgern, was natürlich auch zu gewissen Abweichungen führt, aber über einiges sind sich alle Paleo-Anhänger einig:

1. Kohlenhydrate und Zucker:

Raffinierte Zucker, Dicksäfte, Süßstoffe und Stärken sind neuzeitliche Erfindungen. Süße Lebensmittel gab es natürlich, so wie diverses Obst, Gemüse und Honig (man kann davon ausgehen, dass geschickte, tapfere Jäger und Sammler auch mal Bienennester geplündert haben). Die Menge macht’s, natürlich braucht der Körper Kohlenhydrate, vor allem das Gehirn lebt von Glukose (Einfachzucker). Die Leber besitzt aber die wunderbare Fähigkeit, aus anderen Bausteinen (Eiweiß und Fett) Glukose herzustellen. Deshalb müssen wir kaum Kohlenhydrate über die Nahrung zu uns nehmen. Bei Obst überwiegen je nach Sorte die Vorteile der Vitamine, der sekundären Pflanzenrohstoffe und der Ballaststoffe den Nachteil des Fruchtzuckers, es gehört also absolut dazu – in Maßen. Honig hat neben der vielen Fruktose eine antibakterielle Wirkung und sehr gute Nährstoffe. Wenn man denn also schon süßen „muss“, dann bitte Obst und etwas Honig verwenden. Zum Glück gewöhnt sich der Körper den Zucker-Heißhunger auch schnell ab, wenn er mehr Fett und Eiweiß zu verdauen kriegt!

Gute Artikel über Kohlenhydrate findet ihr hier (von da aus – später – auch ruhig weiterführen lassen):

http://www.urgeschmack.de/was-ist-so-schlimm-an-zucker/#yarpp

http://www.urgeschmack.de/was-ist-der-unterschied-zwischen-glucose-und-fructose/

http://blog.paleosophie.de/2014/05/07/kohlenhydrate-was-ist-die-richtige-menge/

2. Fette:

Der Mensch damals konnte sich über jedes Gramm Fett in der Nahrung nur glücklich schätzen. Heute mangelt es uns nicht an Auswahl, unsere Fette heute haben sich zum Teil aber weit vom Ursprungszustand entfernt. Tierische Fette wurden mit Sicherheit bei Verfügbarkeit von Fleisch und Fisch reichlich verzehrt – nach einer erfolgreichen Jagd gab es aber wahrscheinlich auch Perioden, in denen nur Pflanzen zur Verfügung standen. Pflanzliche Fette finden sich in Kernen und Nüssen, im Idealfall nehmt ihr das Fett über das Grundnahrungsmittel (die Nuss, die Kerne) auf und nicht über das gepresste Öl. Die empfehlenswertesten pflanzlichen Fette sind Kokosöl und Olivenöl. Butter ist Ansichtssache, ich verwende sie, zu Milchprodukten komme ich noch. Viele Details über die Zusammensetzung von Fetten und ideale Kombinationen von Omega-Fettsäuren findet ihr hier:

http://www.urgeschmack.de/fett-eine-zusammenfassung/

http://www.paleo360.de/gesunde-ernaehrung/einfach-und-mehrfach-ungesaettigte-fettsaeuren/

http://www.paleo360.de/gesunde-ernaehrung/mehrfach-ungesaettigte-fettsaeuren-richtige-omega-6-omega-3-verhaeltnis/

3. Getreide:

Heutige Getreidesorten sind Weiterentwicklungen und hochgezüchtete Nachfolger von einfachen Gräsern. Vergleicht mal Grassamen mit Weizenkörnern, und ihr seht den Unterschied. Wenn der damalige Mensch mal Getreide gegessen hat, dann eher eine seltene Handvoll Grassamen – das ist ein winziger Bruchteil einer Scheibe Brot. Unsere heutige Ernährung nutzt Getreide als Sättigungsgrundlage in allen möglichen Formen. Der Gehalt an Kohlenhydraten ist in Getreiden allgemein sehr hoch, Getreide stürzt daher unseren Blutzuckerhaushalt und die Insulinproduktion ins große Chaos. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bin nicht lange satt von Getreide und muss dauernd essen, und der folgende Hunger ist kein Hunger sondern ein „gib mir Essen oder ich töte!“-Blutzuckerabsturz – sehr unangenehm. Außerdem enthält Getreide sogenannte Anti-Nährstoffe, das sind Inhaltsstoffe, die verhindern, dass wir alle vorhandenen nützlichen Nährstoffe auch tatsächlich verwerten können. Zu diesen gehören Lektine und Gluten, die die Darmwand über-durchlässig machen und dadurch zu Autoimmun-Krankheiten, Unverträglichkeiten und Allergien führen können. (Nebengedanke: ist „Brot für die Welt“ eine gute Idee?) Verständlich aufgeschlüsselt ist es in diesen Artikeln:

http://www.paleo360.de/gesunde-ernaehrung/warum-getreide-ungesund-ist/

http://blog.paleosophie.de/2011/04/21/brot-ist-boese-oder-getreide-ist-ein-zweischneidiges-schwert/

4. Fleisch, Fisch, Eier:

Sehr wahrscheinlich neben gesammelten Gemüsen und Nüssen die Haupteiweißquelle unserer alten Vorfahren. Ein erlegtes Tier wurde sicher unter allen Stammesmitgliedern aufgeteilt und bis zum letzten Rest verwertet, also inklusive Innereien und Fettschichten verspeist. Und dann wird es Phasen ohne verfügbares Fleisch gegeben haben, weil einfach gerade die Jagd nicht erfolgreich war. Fisch stand sehr wahrscheinlich mehr oder weniger durchgehend zur Verfügung. Wir können als sicher annehmen, dass auch Vogelnester geplündert und die Eier gegessen wurden. Pflanzliche Nahrungsmittel können kaum mithalten mit dem Eiweißgehalt in tierischer Nahrung, Vegetarier müssen sich also ein paar mehr Gedanken über ihre Eiweißzufuhr machen – genau deshalb habe ich ja diesen Blog angefangen. Ein paar informative Artikel dazu:

http://www.urgeschmack.de/sollten-wir-fleisch-essen-5-gruende-pro-und-kontra/

http://www.paleo360.de/gesunde-ernaehrung/wie-viele-proteine-soll-ich-essen/

5. Milch und Milchprodukte:

Milchprodukte sind umstritten. Definitiv stand unseren Vorfahren nicht so viel Milch zur Verfügung wie uns heute (provoziert mich ja nicht, über die Milchüberproduktion in der EU zu referieren…!). Es ist fraglich, ob damals je eine wilde Ziege oder ein wildes Rind gemolken wurde. Käse könnte der Urmensch in den Mägen von Wiederkäuern vorgefunden haben, die er gejagt hatte. Manche Paleo-Anhänger sind für gewisse Milchprodukte in Frischmilchqualität, manche verwenden nur reine Fette aus der Milch (Butterschmalz, Ghee), manche nur Sahne, manche nur Butter, und manche lehnen sie ganz ab. Meine Milcheiweißallergie hat mir die Entscheidung abgenommen – wobei ich zu meiner Freude festgestellt habe, dass ich Butter problemlos vertrage.

http://www.urgeschmack.de/ist-milch-gesund/

http://www.paleo360.de/gesunde-ernaehrung/paleo-ernaehrung-und-milch/

 

6. Hülsenfrüchte

Zu den Hülsenfrüchten gehören Bohnen inkl. Sojabohnen, Erbsen, Linsen und Erdnüsse. Sie enthalten an sich viel Eiweiß und Mineralstoffe, die unserem Körper aber so gut wie gar nicht zugute kommen, weil sie durch Antinährstoffe unverwertbar gebunden sind. Ein weiteres Problem sind die Lektine, die den Darm durchlässiger machen und zu Darmentzündungen und Autoimmun-Reaktionen führen können. Der hohe Kohlenhydrategehalt schreckt auch viele Paleo-Anhänger ab. Die Nachteile durch die Antinährstoffe lassen sich durch langes Einweichen (wir reden von Tagen, nicht Stunden), lange Kochzeiten und Fermentieren immerhin drastisch reduzieren.

http://www.paleo360.de/gesunde-ernaehrung/die-wahrheit-ueber-huelsenfruechte/

http://www.urgeschmack.de/getreide-einweichen-ankeimen-mahlen-fermentieren/

Jetzt erholt euch erst mal von diesem Berg an Informationen – die gute Nachricht ist, dass ihr das bei einer Tasse Kaffee tun könnt, die ihr zum Beispiel mit Kokosöl, Kokosmilch und/oder Butter cremig und süß aufpeppen dürft!

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3 Kommentare zu “Die Grundlagen über Paleo

  1. Ah, du warst ja wieder fleißig. Danke sehr für diese Zusammenfassung. Irgendwie hab ich noch so meine Bedenken, meinen Kaffee mit Butter zu versetzen, aber vielleicht trau ich mich nachher mal … Ich habe sehr das Bedürfnis, meinen Körper künftig beim Essen zu entlasten und vielleicht auch wie du ein paar Kilo Abfälle nebenbei abzubauen. Ich glaube, deine Arbeit hier in dem Blog wird sehr motivierend auf mich wirken. Also vielen vielen Dank. Sandra

  2. Die Butter bitte nicht einfach so in den Kaffee löffeln, sondern quirlen oder einmixen. Sonst wird es nicht cremig, sondern eklig :). Ich war überrascht, wie gut mir das schmeckt und bekommt und dass ich so doch auf meine geliebte Vanille-Sojamilch verzichten kann. Ich hoffe, dass mich das Bloggen ebenfalls motiviert, konsequenter durchzuhalten. Wenn noch jemand mitzieht, hilft das natürlich enorm!

  3. Pingback: Freitags-Check In #145: Pragbericht | ganzichselbst – Starte dein Leben neu!

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